Ausstellungen

Aktuelle Ausstellung

 

ENGELBERT KREMSER

RAUMBILDER

15.04. -23.07. 2016

 

Neue Dimensionen der Architekturfreiheit

Von der Natur über das Raumbild zum Bauwerk

In der Phantasie können fern der Realität phantastische Gebilde entstehen, die Hoffnungen auf ein schöneres Leben einschließen, ohne sich mit der Machbarkeit auseinander zu setzen. In ihr ist alles machbar, auch das Unmöglichste. In ihr entstehen Wünsche. Sie ist ein Spiel mit neuen Inhalten und hilft, die Wirklichkeit erträglicher zu machen. Die absolute Gestaltungsfreiheit ist zuerst nur in der Phantasie möglich. Soll sie jemandem mitgeteilt werden, bedarf es außer Worten anderer Beschreibungen, wie der Skizze oder des Bildes.

Im Stadium zwischen der Idee und ihrer Fixierung ist die Architektur frei von Einschränkungen jeder Art: den Kosten, Materialien, Bauherren, Baubestimmungen usw. Es ist das kreativste Stadium des Suchens nach der bestmöglichen Wiedergabe der Idee, die Optimierung der Form und Struktur. Es ist der kürzeste und dennoch kostbarste Augenblick im langwierigen Entstehungsprozess eines Gebäudes, in dem die Idee noch unbelastet von allen später hinzukommenden Zwängen der Ausführung ist, bevor am Ende ein nicht wieder erkennbares Wrack vom Ausgangspunkt nichts mehr in sich hat. Die Architektur des Augenblicks im Zeitpunkt der Entstehung der Idee bis zur ihrer Darstellung kann voll der leidenschaftlichen Begeisterung des Formfindens sein, ohne die keine Lebendigkeit möglich ist. Diese Leidenschaft ist umso kräftiger spürbar, je spontaner sie in Bildern übertragen ist.

Im Zeitraum der Erkundung und Ausprägung des Zwischenraumes zwischen der Faszination des Gedankens und der kraft seiner Ausführung hat die Architektur eine Chance Kunst zu sein. Jede ausgeführte Architektur ist durch die erwähnten Einschränkungen und Zwänge nur ein kläglicher Restbestand ihrer ursprünglichen Version. Nur im Stadium zwischen Idee und Zeichnung ist die Architektur absolut frei und den anderen Künsten ebenbürtig. Nur hier kann sie sich mit der Malerei, Bildhauerei oder Fotografie als freie Kunst messen. Nur hier wird sie als Konkurrenz geachtet. Nur hier ist sie ein freies Kunstwerk. Hier lebe ich auf.

Engelbert Kremser

 

Aktuelle Ausstellung

 

ARISTIDE ANTONAS

ESCAPE MANUALS

21.11.2015 -20.02. 2016

 

Aristide Antonas ist ein ungewöhnlicher Architekt und ein ungewöhnlicher Philosoph. Er interessiert sich mehr für architektonische Inhalte als für architektonische Formen und verleiht seinen philosophischen Erkenntnissen konkrete Umrisse aus konkreten Materialien.

Aristide Antonas  wurde 1963 in Athen in einer Architekten-Familie geboren. Seine Eltern, Suzana und Dimitris Antonakakis, gehören zu den wichtigsten Vertretern des „Kritischen Regionalismus“, einer Bewegung in der Architektur des 20.Jahrhunderts, die ihren Fokus auf regionale Besonderheiten richtete. Durch das Elternhaus geprägt studierte Aristide Antonas Architektur an der Nationalen Technischen Universität in Athen. Als Untermauerung der theoretischen Basis folgte dem Architekturstudium eine Promotion in Philosophie an der Universität Paris-X.

Aristide Antonas lebt und arbeitet in Athen und Berlin. Das Spektrum seiner Tätigkeit ist breit: er entwickelt architektonische Projekte, lehrt Architekturtheorie, schreibt Theaterstücke und Essays.

Die Ausstellung „Escape Manuals“ in der Krings-Ernst Galerie zeigt eine konzentrierte Zusammenfassung seiner Architekturkonzepte, die sich sowohl mit der alternativen Nutzung des öffentlichen, urbanen Raums sowie mit den Überlegungen zu den Behausungen für den Einzelnen, zu den Möglichkeiten des individuellen Entzugs beschäftigen.

Das Projekt „Transformable Vertical Village“ setzt sich mit dem temporären Wohnraum auseinander, der sich schnell erschaffen, einfach umgestalten und problemlos in jeden baulichen bzw. städtebaulichen Kontext einfügen lässt. Als Grundelement seiner Konstruktion benutzt Aristide Antonas Schiffscontainer – einen standardisierten, in eine bestehende Infrastruktur integrierbaren, austauschbaren „Baustein“. Der Architekt spricht ein aktuelles soziales Problem an - den Mangel am schnellverfügbaren Wohnraum, dabei  benötigt seine Lösung keine Förderung von Rohstoffen,  er greift zurück auf die bereits vorhandenen Objekte. Dem ökologischen Faktor kommt in den Projekten von Aristide Antonas eine bedeutende Rolle zu.  

Einer Beschäftigung des Architekten mit den Ideen des slowenischen Philosophen Slavoj Žižek  verdankt  seine Entstehung „The House of Doing Nothing“. In seinen Arbeiten erörtert Žižek die soziale aber auch politische Bedeutung eines Rückzugs des Individuums aus der Gesellschaft. Antonas liefert einen architektonischen Rahmen zum philosophischen Konstrukt. Er erschafft einen Ort der Kontemplation, eine moderne Zelle. In einer unwirklichen Landschaft angesiedelt, asketisch ausgerichtet verfügt sie erstaunlicherweise über einen Zugang zum Internet. Einkehr mit Internetanschluss? Dieser Widerspruch macht zu einem auf die Freiwilligkeit des Rückzugs aufmerksam, der jederzeit durch die Betätigung weniger Tasten unterbrochen werden kann: Klick – und man ist wieder ein vollwertiger Mitglied einer virtuellen Gemeinschaft. Zu anderem verweist er möglicherweise auf die Unmöglichkeit einer völligen (auch freiwilligen!)Isolation innerhalb moderner digitaler Gesellschaft.

Ein weiterer philosophischer Ansatz mit dem sich Aristide Antonas auseinander setzt ist der von Oswald Spengler, dem Autor vom „Untergang des Abendlandes“.  “The Shelters of Spenger” sind eine Art Ein-Bett Zisternen-Unterschlüpfe, die in ein Gebirgsmassiv eingelassen sind. Es ist eine Kritik an der  Gesellschaft, die keine neuen Werte produziert. Diese Unterkünfte sind hervorragend dazu geeignet, um von ihnen aus, den Untergang welcher Kultur auch immer zu verfolgen. Das a-tätige Betrachten des Kampfes zwischen Natur und Zivilisation als eine Voraussetzung für einen  neuen Anfang.

Die hier angesprochen Thematik  - das Individuum und das kommunale Leben, kontemplative Isolation, urbane und nicht-urbane Existenzformen einer Gemeinschaft – findet ihre Realisierung auch in weiteren Ideen-Komplexen von Aristide Antonas  -  „No Wall House“ und „Vehicles“(„KEG appartment“, “Crane Rooms”, “Bus Hotel”). Und auch diese Konzepte sind reich an philosophischen und architektonischen Ambivalenzen.

Architektur unterscheidet sich von anderen Bereichen der Kunst durch ihrem Bezug zum Realisierbaren, ihren „Pragmatismus“. Aristide Antonas entwirft in seinem Werk Räume, die das Pragmatische der Formen mit den philosophischen der Inhalte verbinden. Er ist ein Architekt und Philosoph.

DAVID KOENIG

BROKEN

11.04. -30.05. 2015

 

„Broken“ ist ein ziemlich cineastischer Titel für eine Ausstellung. Und in der Tat haben die aktuellen Fotoarbeiten von David Koenig etwas von einem Art-House-Film:  eigenwilliger Blickwinkel, ungewöhnliche Farben, geheimnisvolle Zusammenhänge. 

 

Die Fotoserie „Broken“ von David Koenig ist in Miami entstanden. Sie zeigt Fragmente der Architektur, aufgenommen bei Nacht. Das besondere Augenmerk des Fotografen gilt dabei dem Zusammenspiel von künstlicher Beleuchtung und architektonischen Formen beziehungsweise der Atmosphäre, die dabei erzeugt wird.

Die abgelichteten Gebäude lassen sich nicht auf den ersten Blick als solche identifizieren, ihre klaren Linien wirken befremdlich, sie sind durch keine Zeichen der menschlichen Präsenz, überhaupt des Organischen unterbrochen. Das Grelle der „Pop-Farben“ - Pink, Gelb, Lila - der Beleuchtung  wirkt im Kontrast zum tiefen undurchdringlichen Schwarz  des Himmels gleichzeitig unwirklich und dekadent. Das sehr helle, eiskalte Blaue, das an einigen Stellen aufblitzt, durchfährt das Auge wie ein stechender Schmerz.

 

Die Bilder von David Koenig schaffen eine Szenografie, sprich eine Bühne und einen Raum, für das Schauspiel, in dem der Hauptpart den nichterfüllten Träumen, verborgenen Sehnsüchten, vergeblichen Hoffnungen gehört. Das Hauptmittel des Künstlers ist dabei das Licht, was dem Wesen der Fotografie - mit Licht zu zeichnen -  ausgesprochen nahe kommt. Und was die „cineastische“ Seite angeht – ein melancholischer schwüler Soundtrack (wie z.B. in „Broken flowers“ von Jim Jarmusch) wäre für die Fotos von David Koenig eine  optimale musikalische Begleitung.

Aktuelle Ausstellung

 

FIGURATION LIBRE

GRUPPENAUSSTELLUNG

31.01. - 30.05. 2015

 

Als Titel der aktuellen Ausstellung wurde Figuration libre gewählt. Kunsthistorisch gesehen steht Figuration libre eigentlich für eine in den 1980er Jahren in Frankreich entstandene Richtungder bildenden Kunst. Ihre Künstler (Francois Boisrond, Robert Combas, Hervé Di Rosa) setzten sich für eine neue erzählerische Bildsprache ein. Sie entwarfen eine neue figurative Bildwelt, die aus diversen Elementen der Alltags- und Subkultur kombinierte wurde: Graffiti, Comic, Werbung, etc. Konsequenterweise benutzten diese Künstler auch die künstlerischen Mittel ihrer Bildquellen – grelle Farben und eindeutige Konturen. Das Pathos der Abstrakten und der Konzeptuellen Kunst sollte der ironischen Kultur- und Gesellschaftskritik weichen.

Allerdings bezieht sich der  Titel der Ausstellung Figuration libre nicht nur auf die Arbeiten der französischen Künstler, sondern auch auf die Werke ihrer Kollegen aus China, Deutschland, Kuba und Russland.

China, Kuba, Russland  und  Deutschland haben ein historisch-politisches Erbe, mit dem sich mehrere Generationen auseinandersetzen mussten. So erfordert jede Identitätssuche, jede unkonventionelle Fragestellung in einem Staat, in dem der politische Wille des einzelnen unterdrückt wird, eine gewisse gesellschaftliche Haltung.

 

Charlie

 

Ein großes schwarz-weißes Bild schwebte am Sonntag, dem 11. Januar 2015, vier Tage nach dem Attentat auf die Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“, über der bunten Menschenmenge in Paris – die Augen des Chefredakteur Stéphane Charbonnier. Ihr Ausdruck  war nicht eindeutig zu beschreiben: nachdenklich – vielleicht, ernst –  möglich, ironisch – ja auch, aber eins war dieser Blick ganz gewiss nicht - ängstlich. Einer, der die Anderen zum Lachen bringen will, darf keine Angst haben, sonst wird daraus nichts, höchstens ein Mitleidsgrinsen. 

Die Aufgabe einer  Satirezeitschrift (eigentlich jeder Satire) ist, auf die Missstände, welcher Natur sie auch immer sind politisch, ideologisch, sozial, aufmerksam zu machen, sie zum Gegenstand der öffentlichen Polemik zu erklären. Satire definiert sich durch das Verzerren und Übertreiben, denn sie machen die Entfernung von einem Idealzustand deutlich. Satire funktioniert nur wenn sie präzise arbeitet, deswegen sind ihre bildlichen Mittel einfach – die schwarze Linie und die grelle Farbe. Ihre Wirkung ist selten mehrdeutig. 

 

 

Eine vollwertige künstlerische Geste führt immer zum Nachdenken und Hinterfragen. Diese zwei Prozesse sind schwer zu überwachen und ihre Folgen sind kaum kontrollierbar, aber eins, genauer gesagt einen, bringen sie mit fast 100%tigen Sicherheit hervor – einen Betrachter, dessen Wahrnehmung frei, kritisch, und ideologieresistent ist. Die Kunst wie das Lachen „haben es nicht so“ mit vorgefertigten Wahrheiten!

 

Sabine von Breunig

Headquarter - Штаб-квартира

19.09. -20.12. 2014

 

 

Sabine von Breunig ist – in der Photographie - eine Spätstarterin. Als Meisterschülerin von Arno Fischer hat sie einen besonders intensiven Blick auf die Welt entwickelt.

 

Vor 20 Jahren verließen amerikanische und sowjetische Streitkräfte Berlin. Seit 2010 fotografiert Sabine von Breunig ihre verlassenen Hauptquartiere – Headquarter of The American Forces in der Clayallee in Berlin-Dahlem und Oberkommando der russischen Streitkräfte in Deutschland 40 km südlich von Berlin in Zossen/Wünsdorf. Sie fotografiert die Gebäude und Räume ehemaliger Militärkomplexe so wie sie sie vorfindet – im gräulichen Tageslicht, leer, gezeichnet von der Abwesenheit der Menschen. Diese Bilder sind keine Dokumentation, keine bloße Bestandsaufnahme, ihr Thema ist Vergessen und Vergehen, der Lauf der Geschichte, der Abdruck der Zeit. Sie zeigen das Verschwinden der „Machtarchitektur“ mit ihren Paradetreppen, Empfangssälen und Säulen unter der Schicht aus abblätternder Farbe, abgebrochenem Putz und hängenden Elektrokabeln. Sabine von Breunig konfrontiert den Betrachter mit einer zeitlosen Leere, einem Zeitloch. Welche Gefühle kommen in einem dabei hoch? Ist es Nostalgie? Abscheu? Ohnmacht? Oder lässt die Vergangenheit einen gar gleichgültig vorbeischauen? Mit ihren Bildern bewegt sich die Fotografin im Spannungsfeld zwischen militärischer Macht und Verantwortung. Angesichts der jüngsten weltpolitischen Entwicklungen kommt der Arbeit von Sabine v. Breunig besondere Bedeutung zu.

Die Ausstellung „Headquarter-Stabsquartier- Штаб-квартира“ in der Krings-Ernst Galerie zeigt Arbeiten aus den Bilderserien „Final Walk“ und „Geisterstadt“ von Sabine von Breunig.

Im November 2012 ist in der Edition Braus das Buch GEISTERSTADT mit den Bildern aus der Sperrzone Zossen/Wünsdorf erschienen, es wurde vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Fotobuchpreis 2014 nominiert.

 

 

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